Was will Waldorf wirklich? Sammelbestellung


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Was will Waldorf wirklich? Sammelbestellung

Artikel-Nr.: 001.1
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Inhalt

Einleitung

 

Teil 1 – Klarstellungen

 

1  Erfolg und Vorurteil

Fakten, Klischees und ein Misserfolg

 

2  In einem Satz nur

Oder in drei 

 

3  Die Quelle der neue Pädagogik

"Vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft"

 

Teil 2 – Entdeckungen

 

4  Das Wesen des Willens

Was heißt "Erziehung aus Menschenerkenntnis"?

 

5  Die Plazenta der Organe

Bodenoptimierung kommt vor Ernteerfolg

 

6  Die Prägung der Organe 

Weichenstellungen der frühen Kindheit 

 

7  Das erste pädagogische Hauptgesetz 

Das Kind erzieht sich immer selbst

 

8  Warum Kunst?

Und warum wirklich Kunst? 

 

9  Erziehung zur Selbständigkeit 

Zwei Hinweise Steiners 

                       

10  "Born to change the world" 

Waldorf und die Dreigliederung des sozialen Organismus

 

11 Die Leber-Mentalität freilegen 

In Resonanz mit der Weisheit unseres Körpers

 

12 "Erziehung zur Freiheit"?

Eine wenig bekannte Bedeutung einer berühmten Formel

 

 

13 Zusammenarbeit mit den Engeln

Über eine integrative statt einer totalitären Weltsicht 

 

14 Die Erfindung neuer Methoden  

Das Triptychon pädagogischer Wirksamkeit 

 

Teil 3 – Fragen

 

15  Was will Waldorf wirklich?

Warum von der Antwort Sein oder Nichtsein der Schulen abhängt

 

16  Wie leitet man eine Waldorfschule?

Und wie nicht? 

 

17  Wie viel vom "Waldorf-Urbeginn"

      ist heute noch in Waldorf drin?

Waldorf und die Waldorfschulen

 

 

18  Sind die Waldorfschule "freie" Schulen?

Nein !

 

19  Ist "Waldorf" eine Reform von vielen? 

Oder mehr? 

 

20  Gibt es ein wahres Leben im Falschen? 

Ist das, was Waldorf wirklich will, heute noch machbar?

 

21 Und was will Waldorf nicht?

Über die Nierenfunktion in einem sozialen Organismus 

 

22  Waldorf in den nächsten hundert Jahren? 

Wie bereiten wir unsere Kinder auf das 21. Jahrhundert vor?

 

Teil 4   Anhang

 

23  Von wegen "entdecken" 

Eine Schwierigkeit bei der Steiner-Lektüre 

 

24  Steiners Forschungsmethode 

Das Denken des Denkens (nicht der Gedanken) - Moralische Entwicklung - Studium der Organe 

 

25  Die 10 000-Stunden-Regel 

Anmerkungen zu Fleiß, Talent und zum Lernen von Rudolf Steiner

 

 

 

 

 
Leseprobe:  
 
Vorbemerkungen 
 

Vorbemerkung 1

 

 

 „Was will Waldorf wirklich?“ ist der Titel eines Vortrages, den ich 2018 und 2019 an verschiedenen Orten in Mitteleuropa (u.a. Berlin, München, Stuttgart, Basel, Zürich) sowie in Sydney (Australien) und in Chengdu (China) gehalten habe. Das vorliegende Buch ist ein Autoreferat dieses Vortrages, allerdings mit einer Besonderheit: Im frei gehaltenen mündlichen Vortrag wurden in der Regel nur zwei (oder maximal drei) Beispiele zur Illustration der Erziehungskunst Steiners dargestellt, und zwar in verschiedenen Städten unterschiedliche Beispiele. In die Buchfassung wurden sämtliche Beispiele aufgenommen, die auf verschiedene Städte verteilt waren. Insofern ist das vorliegende Buch im zweiten Teil eine Zusammenstellung der unterschiedlichen mündlichen Fassungen. Das Gleiche gilt für die Fragenbeantwortungen in Teil 3. 

Anders verhält es sich mit dem Anhang. Im Anhang geht es um methodenkritische Überlegungen zu der Frage, wie Rudolf Steiner zu seinen geisteswissenschaftlichen Entdeckungen zur Pädagogik gekommen ist. Der Anhang hat also thematisch nichts direkt mit dem Buchtitel zu tun. Er kam dadurch zustande, dass ich bei meinen Darstellungen der Pädagogik Rudolf Steiners auch mit Einwänden gegen Steiners Forschungsmethode konfrontiert worden bin, auf die ich zu antworten hatte.

 

 

Vorbemerkung 2

 

Wenn das Wort „Erziehen“ so verstanden wird, dass Kinder zu etwas gezogen werden sollen, dann wird „Erziehung“ übergriffig. Rudolf Steiner verwendete den Ausdruck „Erziehen“ in einem anderen Sinn. Wörtlich: „Was man heranzieht, lässt man aber in seiner Wesenheit ungeschoren. Will man einen Stein aus dem Wasser ziehen, so zerschlägt man ihn nicht. Erziehung fordert nicht, dass man das Menschenwesen, das in die Welt hereintritt, in irgendeiner Weise zerschlägt oder vergewaltigt, sondern es heranzieht zu dem Erleben der Kulturstufe, auf der die Menschheit in dem Zeitpunkte steht, in dem dieses Menschenwesen heruntergestiegen ist aus göttlich-geistigen Welten in die sinnliche Welt.“(GA 308, 81)[i]

 

 

 

 

Sehr verehrte Anwesende,

liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

100 Jahre nach Gründung der ersten Waldorfschule geht es in diesem Vortrag um die unbekannteErziehungskunst Rudolf Steiners. Es geht darum, die Frage zu beantworten: Was will Waldorf wirklich? Die Betonung liegt dabei auf „wirklich“, und zwar deshalb, weil es immer noch gravierende Missverständnisse über die Pädagogik Rudolf Steiners gibt. 

Die breite Öffentlichkeit kennt – mal mehr, mal weniger – vielleicht die Waldorf-Schulen und zuweilen hat man ein vages, zuweilen ein verzerrtes Bild von einigen Waldorf-Prinzipien: „Gibt es da nicht viel Kunst?“ Oder: „Ich habe gehört, dass dort Leistung nicht so sehr eine Rolle spielt“ oder: „Da soll doch das Kind im Mittelpunkt stehen“ oder „Es geht um die Dreiheit von Kopf, Herz und Hand“ oder „Da geht es mehr um Kreativität.“ Oder: „Da lernt man, seinen Namen zu tanzen.“  Mit derartigen Klischees sind weit verbreitete Vorurteile verbunden. Eine Waldorfschule – so eins dieser Vorurteile – sei gleichsam die „Soft-Version“ des öffentlichen Schulsystems und verhalte sich zu diesem wie die Bio-Landwirtschaft zur konventionellen: weniger giftig, aber auch weniger leistungsorientiert. Eine Demeter-Kuh darf ihre Hörner behalten und bekommt kein angereichertes Kraftfutter, muss aber auch weniger Milch liefern. Ähnlich ergehe es – so die Mutmaßung – den Waldorfschülern: Sie müssen nicht so viel Leistung bringen, aber sie dürfen etwas stress- und angstfreier lernen und ihre Hörner behalten. 

So weit verbreitet das Vorurteil auch ist, so wenig entspricht es der Steinerschen Erziehungskunst. Im Werk von Steiner kann man das Gegenteil lesen:

 

 

  • Jeder einzelne Schüler soll das ihm mögliche Höchstmaß an denkerischer Klarheit entwickeln:

„Wir müssen (so erziehen), dass der Mensch die ihm für das Leben höchste mögliche Klarheit im Denken (erringt). 

  • Jeder einzelne Schüler soll das ihm mögliche Höchstmaß an Vertiefung und Differenziertheit des Fühlens entwickeln.

„Wir müssen (so erziehen), dass der Mensch (...) im Fühlen die nach seinen Voraussetzungen für ihn denkbar höchste liebevolle Vertiefung (erringt).“

  • Jeder einzelne Schüler soll das ihm mögliche Höchstmaß an Willenskraft entwickeln.

„Wir müssen (so erziehen), dass der Mensch im Wollen die nach seinen Voraussetzungen[ii]höchste mögliche Energie und Tüchtigkeit erringe.“ (GA 309,40)

 

 

Es geht in der Steinerschen Erziehungskunst also nicht um die weichere Variante des staatlichen Schulsystems, sondern um etwas völlig anderes. Aber davon weiß man immer noch viel zu wenig. Und das ist erstaunlich. Denn auf der einen Seite kann die Waldorfschulbewegung beachtliche Erfolge vorweisen, aber auf der anderen Seite steht auch ein gravierender Misserfolg. Zunächst zu den Erfolgen, danach zum Misserfolg. Bei den Erfolgen beziehe ich mich ausschließlich auf sogenannte „harte Fakten“ und beschränke mich auf drei Beispiele:

 

Die Ausbreitung von 1 auf 1000

 

In nur hundert Jahren ist aus einer einzigen innovativen Schule eine weltweite Schulbewegung entstanden mit über 1200 Schulen in mehr als 60 Ländern. Das ist auf dem Sektor der Privatschulen ziemlich einzigartig und ein großer Erfolg. 

 

 

Die Waldorfschulen waren Methoden-Pioniere 

 

Etliche Methoden, die erstmalig von der Stuttgarter Waldorfschule angewandt wurden, haben inzwischen Eingang in die staatlichen Schulsysteme verschiedener Länder gefunden. Nur wenige Beispiele: Die Waldorfschulen haben den konzentrierenden „Block“- oder „Epochenunterricht“ eingeführt.Das gibt es inzwischen auch an vielen staatlichen Schulen, mal mehr, mal weniger. Weiter:  Die Waldorfschulen haben das Sitzenbleiben abgeschafft und statt der Notenzeugnisse charakterisierende Textzeugnisse eingeführt. 2009 zeigte eine Bertelsmann-Studie, dass das „Sitzenbleiben“ wenig bringt, aber teuer ist.[iii]In einigen Ländern sind deshalb inzwischen im Grundschulbereich Notenzeugnisse durch Textzeugnisse ersetzt worden und das Sitzenbleiben wurde in der Grundschule in etlichen Ländern abgeschafft. 

Weiter: Die Waldorfschulen hatten von Anfang an einen hohen Anteil an künstlerischen und handwerklichen Fächern. Auch auf diesem Gebiet hat sich viel an den staatlichen Schulen getan und der Anteil an Kunst ist beträchtlich gestiegen. Die Waldorfschulen hatten hier eine Pionierfunktion. Auf der anderen Seite beklagt der wohl bekannteste Erziehungswissenschaftler der Welt, Sir Ken Robinson, immer noch, dass der Anteil von Kunst und Bewegungsfächern an den staatlichen Schulen nach wie vor viel zu gering sei. Vor allem in den Köpfen der Menschen sähe das Ranking der Fächer immer noch ganz traditionell aus: Hoch oben im Ranking stehen die naturwissenschaftlichen Fächer, die Mathematik und die Sprachen. Viel weiter unten stehen sogenannte Nebenfächer wie Kunst oder Theater und Tanz. Dieses Ranking ist so verbreitet, dass es auch in den Köpfen von Waldorflehrern und Schülern fest eingenistet ist. In den Waldorfschulen gibt es den internen Ausdruck „Hauptunterricht“ und nicht wenige Lehrer und Schüler denken: „Hauptunterricht – das sind die wichtigsten Fächer.“ (Denn zum „Hauptunterricht“ gehören die naturwissenschaftlichen Fächer, sowie die Mathematik und die geisteswissenschaftlichen Fächer wie Geschichte und Deutsch.) Bei Rudolf Steiner kann man nachlesen, dass das ein Missverständnis ist. Die wirkliche Bedeutung von „Haupt-Unterricht“ ist „Kopf-Unterricht“. Der Ausdruck „Haupt-Unterricht“ meint also nicht die wichtigsten Fächer. Die englische Übersetzung von „Hauptunterricht“ in „Mainlessons“ ist deshalb nicht nur irreführend, sondern schlechterdings falsch. Die korrekte Übersetzung wäre: „Head-Lessons“. AlleFächer sind bei Steiner gleich wichtige Fächer und wären in diesem Sinne „Main-Lessons“. Und wenn wir schon dabei sind: Bei Steiner gibt esdreiGruppen von Fächern: Diejenigen Fächer, die vornehmlich (aber nicht nur) die kognitiven Fähigkeiten adressieren. Sie werden im „Haupt-Unterricht“ gegeben. Damit sollte, so Steiner, der Tag beginnen. Zweitens gibt es diejenigen Fächer, die vornehmlich das rhythmische System des Menschen ansprechen, also den Atem- und Herzrhythmus. Dazu gehören Singen, Rezitieren, Sprechen und andere künstlerische Fächer. Und drittens gibt es diejenigen Fächer, die sich vornehmlich an das Bewegungssystem des Kindes wenden: Tanz, Turnen und der handwerkliche Unterricht vom Stricken und Nähen bis hin zum Schmieden, Schreinern und Schlossern. Mit diesen Fächern sollte der Schultag möglichst schließen – zumindest im Idealfall. Dass alle drei Fächergruppen gleich wichtig sind und vor allem gleich viel Zeit im Stundenplan erhalten sollten, ist immer noch revolutionär: „Ein Drittel Kopf-Unterricht, ein Drittel Kunst-Unterricht (Musik, Malen, Rezitieren, Theater, Bildhauern etc.) und ein Drittel Bewegung (Tanz, Eurythmie, Gymnastik, handwerkliche Fächer). Aber selbst in den Waldorfschulen ist es nicht leicht, diese Gewichtung durchzuhalten, auch wenn sich an den staatlichen Schulen einiges getan hat im Vergleich zu 1919. Unter dem Strich ist es deshalb ein Erfolg der Waldorfschulen: Sie waren und sind auf diesem Feld Pioniere und beweisen immer noch, dass man die staatlichen Abschlüsse vom Realschulabschluss bis hin zum Abitur mindestens genauso erfolgreich bewältigen kann, auch wenn man sehr viel mehr Zeit für Kunst- und Handwerksunterricht gehabt hat. Der wirklicheGrund für den hohen Anteil an Kunst an den Waldorfschulen ist allerdings kaum bekannt. Ich werde später darauf eingehen. (Kapitel 8.) 

Die Pionierfunktion der Waldorfschulen auf dem Gebiet pädagogischer Methoden wird in Fachkreisen durchaus anerkannt. Aber es gibt auch eine erstaunliche Kehrseite: Die Waldorfmethoden waren wie ein paar goldene Äpfel, die man aufgelesen hat. Der Baum aber, an dem sie gewachsen sind, galt und gilt als suspekt – ganz nach der Devise „Netter Apfel, inakzeptabler Baum“. 

 

 

Die Gesundheit ehemaliger Waldorfschülerinnen und Schüler 

 

Einer der größten Erfolge der Waldorfschulbewegung besteht in der langfristig besseren Gesundheit ihrer Absolventen. Das Robert-Koch-Institut in der Charité in Berlin hat 2013 eine Studie veröffentlicht, die die Gesundheit von ehemaligen Waldorfschülern im Alter von 18 bis 80 Jahren mit der Gesundheit der entsprechenden Altersgruppen ehemaliger Staatsschüler vergleicht. Ein derartiger Vergleich ist methodisch aufwendig. Für einen aussagekräftigen Vergleich können zum Beispiel nur Schüler aus Elternhäusern mit dem gleichen Bildungsstand verglichen werden, da der Bildungsstand der Eltern eine erhebliche Rolle für die spätere Gesundheit der Kinder spielt. Man darf – ein weiteres Beispiel – auch nur solche ehemaligen Schüler vergleichen, die ähnliche Berufe ergriffen haben. Es gibt Berufe, die ungesünder sind als andere. (Wenn die Waldorfschüler im Durchschnitt lauter gesündere Berufe ergriffen hätten als die ehemaligen staatlichen Schüler, dann läge die bessere Gesundheit der Waldorf-Alumni nicht an der Pädagogik der Waldorfschule, sondern an der Berufswahl.) Kurz, die Wissenschaftler, die die Studie aufgesetzt haben, haben tatsächlich nur verglichen, was methodisch korrekt verglichen werden darf. Das Ergebnis: In den allermeisten Gesundheitskriterien waren die ehemaligen Waldorfschüler signifikant gesünder. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein echter Erfolg. Ich persönlich halte ihn für einen der bedeutsamsten Erfolge der Waldorfschulen schlechthin. Warum? Gesundheitlichen Beeinträchtigungen bedeuten meist auch eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit – mal mehr, mal weniger. (Das weiß nicht nur jeder Sportler.) Gezielt so zu erziehen und zu unterrichten, dass der Einzelne auch in fortgeschrittenem Alter etwas weniger durch gesundheitliche Handicaps beeinträchtigt wird, gehört mit zum dem, was Waldorf wirklich will. Den Erfolg auf diesem Gebiet messen und nachweisen zu können – das ist ein dickes Brett. Aber dieses dicke Brett ist – wie so Vieles aus der Erziehungskunst Rudolf Steiners – nur wenig bekannt.

 

Die Waldorfschulen können also auf der einen Seite nach 100 Jahren Bemerkenswertes vorweisen und zu Recht feiern. Aber auf der anderen Seite steht ein Misserfolg, vor dem man nicht die Augen verschließen sollte: Es ist es in 100 Jahren nicht gelungen, der Öffentlichkeit ein auch nur annähernd angemessenes Bild von dem zu verschaffen, was Waldorf wirklich will. Wenn dieser Vortrag einen Beitrag dazu leistet, diesen Sachverhalt in ersten Ansätzen zu ändern, hat er seinen Zweck erfüllt.

 

2. In einem Satz nur

Oder in drei

 

Kann man in einem oder zwei Sätzen sagen, was Steiners zentrales pädagogisches Anliegen war und was die Erziehungskunst Rudolf Steiners wirklich will? Man kann. In drei Sätzen.

 

Satz 1:

 

„Es geht darum, zu allererst so gründlich, so umfassend und so tief wie nur irgend möglich die Natur des Menschen und seine Stellung in der Welt und insbesondere die Natur des Kindes und seine Entwicklung zu erforschen, um vor allem darausabzulesen, wie man jedes einzelne Kind so gut wie nur irgend möglich darin unterstützen kann, seine individuellen Potentiale zu entwickeln, sodass es seine eigene Aufgabe und seinen Beitrag fürdas Ganze und im Einklangmit dem Ganzen finden kann.“ 

 

Mit sieben Worten: 

„Bestmögliche Potentialförderung aus größtmöglicher Menschen- und Welterkenntnis.“

 

Oder noch pointierter:

„Zuerst Menschenerkenntnis – dann pädagogische Maßnahmen.

 

Mit drei Worten:

„Erziehung aus Menschenerkenntnis

 

Plakative Schlagworte sind heikel. Sie zeigen nicht, was sich hinter ihnen verbirgt. Denn was heißt „Erziehung aus größtmöglicher Menschen- und Welterkenntnis?“ Solange das nicht geklärt ist, unterschätzt man, worum es wirklich geht. 

 

Satz 2:

 

OptimalePotentialförderung aus größtmöglicher Menschenerkenntnis ist nur möglich, wenn man die Ergebnisse spirituellerForschung nicht nur miteinbezieht und berücksichtigt, sondern zur Grundlage macht.

 

Mit fünf Worten:

 

Bestmögliche Potentialförderung aus spirituellerMenschenerkenntnis.

 

Oder mit sieben:

 

Optimale Potentialförderung aus anthroposophischerMenschen- und Welterkenntnis.

 

Oder zugespitzt:

ErstMenschenerkenntnis aus spiritueller Erforschung der Kindesnatur, dannErfindung neuer Methoden für das einzelne Kind und für jede sich verändernde Zeitlage.

 

Plakative Schlagworte sind heikel und Satz 2 ist noch heikler als Satz 1. Spirituelle Menschenerkenntnis? Anthroposophische Welterkenntnis? Wirklich? Ja. Es ist eine Frage historischer Redlichkeit, darüber zu sprechen, worum es Steiner ging. Wie man sich anschließend dazu positionieren will, ist eine andere Frage und jedem überlassen. Nur eins sollte man möglichst vermeiden: Wichtige Wahrheiten verschweigen. Das ist – auf Dauer gesehen – keine gute Idee.

 

Und nun noch Satz drei, denn ohne ihn fehlt das Wichtigste:

 

Satz 3

 

„Das Kind erkennen wollen - aus Liebe zum Kind, 

neue Methoden erfinden - aus Liebe zum Kind, 

neu erfundene Methoden anwenden - aus Liebe zum Kind –

das ist, was Waldorf wirklich will.“ 

 

Plakative Schlagworte sind heikel und Satz 3 klingt für viele Ohren noch weitaus heikler als Satz 1 und 2 zusammen.

Trotzdem: Für die Waldorfpädagogik gilt mit leicht abgewandelten Worten, was der Apostel Paulus im Brief an die Korinther geschrieben hat:

 

„Und wenn ich die besten pädagogischen Methoden hätte, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre meine Pädagogik nichts.“ (Nach 1. Kor. 1)

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